Mittwoch 27. April 2011

erima: Partner sollen von Betreuung, Marke und Produkt überzeugt sein

Vor 17 Jahren stand es gar nicht gut um erima, den Trikotausrüster der deutschen Fußball-Weltmeister von 1974. Dann übernahm der Kaufmann Wolfram Mannherz alle Anteile und ließ die Marke neu "aufblühen", weil man sich erfolgreich restrukturiert hat. Mitte der 90er Jahre war der Ruhm der Fußball-WM 1974 längst verblasst.. Ein stark zersplittertes Sortiment fuhr in einigen Sparten wie etwa der Hockey- oder Bademoden-Bekleidung rote Zahlen ein.  "Es war ein Bauchladen mit "Kraut und Rüben"", sagt Firmenchef Wolfram Mannherz, der gerne in Bildern spricht. Der Weltkonzern adidas hatte den kleinen Wettbewerber erima von den Nachkommen der seit 1936 wirkenden, namensgebenden Unternehmer-Familie Erich Mak 1976 übernommen und ließ von ihm Trikots fertigen, um das eigene Sortiment zu erweitern. Als erima ab 1993 in die Verlustzone fuhr, entsandten die Herzogenauracher den Diplom-Kaufmann Mannherz als Sanierer. 1996 stieg der heutige Alleinanteilseigner bei erima ein, wurde 1998 Geschäftsführer. Doch das Interesse der adidas AG an seinen Ideen schien begrenzt: Der Großkonzern wollte den kleinen Spezialisten, der bis Anfang der 90er Jahre noch selbst produzierte, wieder loswerden. Im Jahr 2000 übernahm Mannherz 49 Prozent der Unternehmensanteile von erima, 2005 die übrigen 51 Prozent. Angetreten mit einem Strategiewechsel, der schon 1999 zum Breakeven führte und den Umsatz zwischen 1998 und Ende 2008 fast vervierfacht hat: von 27 Millionen Mark auf 49 Millionen Euro. Der Modernisierer ist zum "Retter" des Traditionalisten geworden, indem er ihn schonend der Zeit angepasst und ihn von der rein deutschen zu einer europäisch renommierten Marke gemacht hat. Das Erfolgsgeheimnis von Mannherz ist schnell erklärt: "Wir beschränken uns auf unsere Kernkompetenzen, den Teamsport-Bereich, und sind im Service stark." Zweite "Wachstumsspritze" war die Umorientierung zwischen den Sportarten, weg von Verlustbringern und hin zu neuen, lukrativen Betätigungsfeldern. Im Fußball, der über 50 Prozent der Umsätze bringt, ist man heute genauso tätig wie im Tennis, dem Handball, Turnen oder Running. Schluss mit Hockey und Bademoden. "Breite" und "Tiefe" zugleich sollen erreicht werden: erimas Kollektionen sind in allen Größen vier Jahre lang vorrätig. Damit die neueste Sportmode in aller Ruhe vom Spitzen- in den Breitensport wandern kann, wo die Vereine ihre Mannschaften meist nur nach und nach mit neuen Trikots oder Trainingsanzügen ausstatten. Rund 10 000 Einzelartikel lagern abrufbereit auf 12 000 Quadratmetern in Pfullingen und kommen binnen 48 Stunden zum Besteller, an die 150 000 Hand-, Fuß- oder Volleybälle auf weiteren 5 000 Quadratmetern im Ball-Kompetenzzentrum in Reutlingen. Lagerhaltung, die woanders als kapitalbindender Kostenfaktor angekreidet wird. erima sieht darin eine Stärke. Dazu kommen Innovationen in den jährlich vorgestellten Kollektionen. Seit einiger Zeit macht erima auch durch verstärkte Präsenz auf dem "Torhütermarkt" von sich reden.


KEEPERsport-Redakteur Christoph Nowak besuchte daher kürzlich die erima-Zentrale in Pfullingen bei Reutlingen und führte mit Stefan Bartsch (Projektleiter Marketing Deutschland und Division Manager Fußball/Im Bild oben rechts) sowie seinem Kollegen Boris Böttle (Als Produktmanager u. a. für die erima-Torwarthandschuhe zuständig/Im Foto oben links) folgendes Exklusivinterview:



KEEPERsport: "Stefan und Boris, seit ca. zwei Jahren ist erima sponsoringtechnisch im Profifußballbereich auch mit Torwarthandschuhen vertreten. erima war da ja vorher noch nie so präsent. Wie kam es denn plötzlich dazu?"


Stefan Bartsch: "Wir haben damals intern beschlossen, einige Änderungen unser Sponsoring betreffend durchzuführen. Dabei sind wir auf die Idee mit den Torwarthandschuhen gekommen. Fußball ist unsere wichtigste Sportart, deshalb ist der Bereich Torhüter natürlich für uns auch zwangsläufig sehr wichtig und interessant. Unser Produkt war ja immer schon ausgezeichnet, und es ist natürlich sponsoringtechnisch hochinteressant, junge Nachwuchstorhüter frühzeitig an unsere Marke zu binden."


Boris Böttle: "Unsere Philosophie ist es, unsere Promotion-Partner nicht mit Zuwendungen zu "kaufen", sondern sie einfach durch die Top-Qualität unserer Produkte sowie unseren individuellen und hochspeziellen Service zu überzeugen! Wir lassen unsere Torwarthandschuhe beim anerkannt besten Hersteller weltweit produzieren."


Stefan Bartsch: "Zudem ist unser Vorteil, dass wir intern relativ kurze "Wege" haben. Wir können unseren Keepern z. B. im Fall einer Fingerverletzung sofort und komplikationslos mit einer Spezialanfertigung helfen. Aber auch so berücksichtigen wir all´ ihre Wünsche und Anregungen für ihre Sondermodelle, sofern sie diese auch wünschen. Manuel Riemann vom VfL Osnabrück z. B. kommt mit einem "normalen" Kollektionsmodell bestens klar."



KEEPERsport: "Welche Profitorhüter werden denn derzeit von Euch ausgerüstet?"


Stefan Bartsch: "In der zweiten deutschen Bundesliga der lt. dem Fachmagazin kicker wohl beste Keeper dort, Max Grün von der SpVgg Greuther Fürth, aktuell leider verletzt, sowie Philipp Tschauner vom TSV 1860 München und - wie gesagt - Manuel Riemann vom VfL Osnabrück. Dazu kommen die (ehemaligen) Juniorennationalkeeper René Vollath vom Drittligisten Wacker Burghausen und mit Björn Bussmann vom TSV 1860 München II. Der Österreicher Marco Knaller vom 1. FC Kaiserslautern in Kooperation mit KEEPERsport. Ein ganz tolles Nachwuchsteam in Deutschland also! Romain Salin von Naval 1° de Maio aus der portugiesischen SuperLiga, Alfonso De Lucia (AS Livorno) aus Italiens Serie B sowie aus der österreichischen Bundesliga in Kooperation mit KEEPERsport u. a. Robert Almer von Austria Wien oder Raphael Wolf vom SV Kapfenberg spielen ebensfalls erima. Auch der österreichische "Kulttorhüter" Josef "Pepi" Schicklgruber trug am Ende seiner Karriere erima-Handschuhe. Unsere Produkte sind also mit Sicherheit absolut profitauglich!"


Boris Böttle: "Es ist gerade unser Ziel, mit jungen, veranlagten Torhütern langfristig zusammenzuarbeiten. Sie sollen von Betreuung, Marke und Produkt immer noch überzeugt sein, wenn sie vielleicht `mal Stammkeeper in der Bundesliga sind und die großen Mitbewerber mit lukrativeren Ausrüsterverträgen locken. Ein tolles Beispiel aus einer anderen Sportart hierfür ist Turnweltmeister Fabian Hambüchen, der erima gerade aufgrund dieser oben genannten Vorteile immer treu geblieben ist."



KEEPERsport: "Der Zweitligist TSV 1860 München war der einzige Verein, den erima im deutschen Profigußball komplett ausgerüstet hat; am Saisonende geht die Kooperation zu Ende, warum?"


Stefan Bartsch: "Es war sicherlich eine sehr gute Partnerschaft, mit positiven Aspekten für unsere Marke. Wir möchten uns aber im nächsten Jahr andersweitig präsentieren und "bauen" da insbesondere auf TV-Präsenz. Nichtsdestotrotz möchte wir baldmöglichst wieder eine Mannschaft aus der ersten Bundesliga ausrüsten, das ist sicherlich unser kurzfristiges Ziel für die Spielzeit 2012/13!"



KEEPERsport: "Deutschlands Fußballnationalelf wurde 1974 mit erima-Trikots Weltmeister, gegen Ende der 70er Jahre wurde ein Großteil der deutschen Bundesliga von erima ausgestattet! Viele glauben immer, der DFB lief immer in adidas auf, wie kommt es zu diesem "Irrglauben"?"


Boris Böttle: "erima hatte in der damaligen Zeit höchste Kompetenz im Textilbereich, rüstete den DFB aus und war ja dann erst 1976 von adidas übernommen worden. adidas war damals noch nicht so an Trikots oder dergleichen interessiert und ließ diese Sachen eigentlich komplett von erima herstellen; es gab sogar adidas-Produkte, in denen Schildchen mit "Produziert von erima" eingenäht waren. Erst Anfang der 80er Jahre wurden diese Ausrüstungsverträge dann mehr und mehr von adidas übernommen. Bei der Europameisterschaft 1980 in Italien spielte Deutschland am Anfang des Turniers noch mit erima, dann aber im weiteren Verlauf erstmals mit drei Streifen und adidas - die drei Streifen wurden damals übrigens während des Turniers bei uns im Werk auf die vorherigen Trikots aufgenäht."



KEEPERsport: "Wie lange seid ihr beiden eigentlich schon bei erima und was gefällt euch besonders an der Firma?"


Boris Böttle: "Bei mir sind es knapp fünf Jahre, beim Stefan vier. Mir gefällt insbesondere das familiäre Betriebsklima, obwohl erima sicher kein kleines Familienunternehmen mehr ist. Ich denke, dass ich da auch für den Stefan sprechen kann."


Stefan Bartsch: "Genauso ist es. Ich persönlich finde es absolut klasse, eine Firma, die eine Tradition ähnlich der von adidas oder PUMA aufzuweisen hat, repräsentieren zu dürfen. Zudem sind- wie schon angesprochen - die internen Entscheidungswege sehr kurz und produktiv."



KEEPERsport: "Wie beurteilt eigentlich ihr die Zusammenarbeit mit KEEPERsport?"


Stefan Bartsch: "Ihr habt als Torwartspezialisten natürlich die höchste Kompetenz und seid ganz nah d´ran an den Wünschen der Amateurtorhüter. Deshalb holen wir uns sehr gern eure Meinungen zum jeweiligen Produkt und zu möglichen Neuentwicklungern ein. Hinsichtlich unserer Präsenz im Profibereich sind wir sehr diesbezüglich immer dankbar für jeden eurer Vorschläge. Grundsätzlich finde ich unsere Kooperation für beide Seiten richtig produktiv!"



KEEPERsport: "Dankeschön, das sehen wir natürlich auch so. Wie sind eigentlich Eure Zukunftsplanungen in Sachen "Torwarthandschuhe bzw. -ausrüstung"?


Boris Böttle: "Wir wollen zusammen mit unseren Promotionpartnern und unserem Hersteller dem Endkunden stets ein optimales Produkt unter Verwednung der besten Materialien anbieten können, und dies in einem optimalen Preis-/Leistungsverhältnis. Das Feedback unserer Profi-Torhüter fließt auch immer in unsere Produktentwicklung mit ein. Um das auch in Zukunft entsprechend beherzigen zu können, setzen wir auf ein eher überschaubares Portfolio, was unsere Partner angeht."


Stefan Bartsch: "...wovon ich absolut überzeugt bin. Wir haben eine eigene Produktentwicklung und das Produktmanagement direkt in unserer Firmenzentrale und somit optimale Voraussetzungen, uns im Torwartausrüstungsbereich immer weiter zu entwickeln. Des weiteren gehe ich davon aus, dass unser Nachwuchskeeperkonzept sehr bald "Früchte tragen" wird und ein Bundesligakeeper mit unseren Handschuhen auflaufen wird!"



KEEPERsport: "Boris und Stefan, vielen herzlichen Dank für die Einladung und das nette, sehr informative Gespräch in angenehmer Atmosphäre!"


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