Montag 25. August 2008

Hans Leitert: "..dann hilft auch kein Sportpsychologe!"

Warum werden manche Torhüter schon zu Lebzeiten regelrechte "Legenden" und andere sind bereits vergessen, bevor die Karriere richtig begonnen hat? Diesen Fragen stellte sich der 35-jährige Sportwissenschaftler Hans Leitert aus Österreich.

Seine Antworten darauf hat Leitert in seinem im Oktober 2007 erschienen Buch "Die Kunst des Torwartspiels oder die sieben Prinzipien der Meister" niedergelegt. Insgesamt sieben Grundpfeiler sind seiner Ansicht nach für den inviduellen Erfolg eines jeden Torhüters entscheidend. Jahrelange Erfahrung als Torhüter, Torwarttrainer - derzeit seit Saisonbeginn beim englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur - und natürlich nicht zuletzt als Sportwissenschaftler ließ er in sein Buch miteinfließen.


Weitere Infos zu Hans Leitert:

http://www.hansleitert.com


Nach seinem Engagement bei Recreativo Huelva in Spaniens Primera Division ist Hans Leitert seit diesem Sommer nunmehr Torwartcoach beim englischen Traditionsclub Tottenham Hotspur; im Exklusivinterview stellte sich Hans nunmehr den Fragen von KEEPERsport-Mitarbeiter Christoph Nowak:


KEEPERsport: "Hallo Hans! Wie geht es Dir in England? Hast du dich schon eingelebt und wie gefällt es dir bei deinem neuen Klub Tottenham Hotspur?

Hans Leitert: "Mir geht es gut, vielen Dank! Wir haben uns gut eingelebt und es gefällt mir in England und natürlich ist es eine sehr reizvolle Aufgabe für mich, bei solch einem großen Klub wie Tottenham Hotspur zu arbeiten."


KEEPERsport: "Tottenham ist ein Londoner Klub. Lebst du eher außerhalb oder mehr in der City, wie gefällt dir diese Weltstadt und England allgemein?"

Hans Leitert: "Wir wohnen in unmittelbarer Nähe zum Trainingszentrum, welches sich in Chigwell/Essex befindet. England an sich und natürlich insbesondere London bieten eine hohe Lebensqualität, es ist richtig toll hier. Meine ganze Familie, also auch meine Frau und meine Tochter, fühlt sich richtig wohl hier!"


KEEPERsport: "Es ist anzunehmen, dass ein Traditionsklub wie die "Spurs" ein tolles Trainingszentrum besitzt und die Infrastruktur dort höchsten Ansprüchengenügt. Was kannst du uns darüber berichten?"

Hans Leitert: "Das Trainingscenter "Spurs Lodge" ist eine richtig Luxus-Anlage; wir haben hier alles, was wir brauchen: Spielfelder in Spitzenqualität, spezielle Arbeitsbereiche für Torhüter, ein riesiges Fitnesscenter... Für mich ist zudem ein richtiges Highlight, dass wir so professionelle Möglichkeiten haben, die Spiele zu analysieren, was uns ermöglicht, insgesamt auf einem sehr hohen Level zu arbeiten."


KEEPERsport: "Es gibt das Gerücht, dass Tottenham dich verpflichtet hat, weil man dort Kenntnis von deinem o g. Buch erlangte und davon begeistert war,stimmt das?"

Hans Leitert: "Die Wahrheit ist, dass ich ein Buch mit dem Titel "Die Kunst des Torhütens" verfasst habe, das sowohl in Deutsch als auch in Englisch erschienen ist. Die "Spurs" haben mich deshalb kontaktiert, weil sie einen Torwarttrainer gesucht haben. Letztendlich weiß ich nicht, was genau die Gründe für die für mich positive Entscheidung gewesen sind; ich bin mir aber sicher, dass das Buch für mich dabei kein Nachteil gewesen ist."


KEEPERsport: "Auf der britischen Insel werden die Torhüter im Luftkampf bekanntermaßen von den Referees bei weitem nicht so geschützt wie auf dem Festland; hat dies Auswirkungen auf deine bisher bewährtenTrainingsmethoden in diesem Bereich?"

Hans Leitert: "Wenn wir im Bereich "Flanken" oder etwas ähnlichem arbeiten, ist dies absolut unabhängig davon, wie sich die Referees hier auf der Insel verhalten. Wir wollen unsere Torhüter dazu bringen, immer den Ball so gut wie möglich zu attackieren und immer so aktiv, wie nur mögich, zu sein. Ich persönlich finde es schon ein wenig eigenartig, dass gesagt wird, ein Torhüter z. B. in Spanien müsse anders trainiert werden wie in England, das macht für mich nämlich keinerlei Unterschied!"

 

KEEPERsport: "Siehst Du eigentlich länderspezifische Unterschiede in der Torhüterausbildung? Mir z. B. fällt beim weißrussischen Nationalkeeper Vasili Khomutovski, der jetzt beim FC Augsburg spielt, auf, dass er eine ganz andere Art des Torwartspiels praktiziert als sein deutscher Kollege Sven Neuhaus! Er versucht beispielsweise, jeden Ball festzuhalten."

Hans Leitert: "Wenn man die weltweit unterschiedlich angewandten Trainings- und Entwicklungsmodelle für Keeper betrachtet, dann wird es dort immer Unterschiede geben. Ein Beispiel: In Russland werden die Jugend von der Jugend an dazu gecoacht, den Ball wegzufausten. In Holland sind die Torhüter dazu angehalten, mitzuspielen, daher weisen sie dort traditionell sehr gute fußballerische Fähigkeiten vor; in Afrika und Südamerika sind die Goalies bekannt für ihre ausgezeichnete Technik beim Hechten und Schüsse abwehren. Ich denke, jeder Kontinent bzw. jedes Land hat seinen spezifischen Stil mit positiven Aspekten, die man sich überall herausfiltern und in einer eigenen Philosophie vereinen sollte!"


KEEPERsport: "Was unterscheidet eigentlich deine Trainingsmethoden von den bei uns in Deutschland oder in Österreich bislang bekannten?"

Hans Leitert: "Ich bin der Meinung, jeder Torwarttrainer hat seine eigene Philosophie und seine individuellen Methoden, was auch gut so ist. Trotzdem denke ich, dass viele Coaches den gleichen Grundprinzipien folgen, aber jeweils mit eigenen Charakteristika, genauso wie jeder Cheftrainer seinen eigenen Stil verfolgt. Wenn man die jeweilige Philosophie eines Trainers verstehen will, muss man hinter die Kulissen schauen, um die Art und Weise seines Denkens und Handelns zu verstehen: Seine Art der Spielanalyse, seine Art des Torwarttrainings, seine Arbeit in der Vorbereitung, die Übereinstimmung seiner Ideen mit denen des Cheftrainers... Manchmal basieren die Trainingsmethoden des Torwartcoaches auf denen des Chefs. Grundsätzlich denke ich, dass es sehr wichtig ist, dass man immer versucht, das ganze Grundprinzip, das hinter bestimmten Trainingsmethoden steckt, zu verstehen."


KEEPERsport: "Seit Jürgen Klinsmann setzen die Vereine in Deutschland vermehrt auf Sportpsychologen. Denkst du, sowas ist im Fußball sinnvoll und wie versuchst du selbst, die mentale Stärke deiner Torhüter zu fördern?"

Hans Leitert: "Wenn der Trainer schwach ist, dann helfen den Spielern auch keine Psychologen mehr... Das wichtigste ist, dass der Chefcoach voll und ganz respektiert ist, was genauso für den Torwarttrainer gilt! Vertraut der Keeper diesem nicht, macht auch ein Sportpsychologe keinen Sinn. Wenn du als Trainer einen Spieler nicht verstehst, wird es auch nichts bringen, eine außenstehende Person in das Geschehen miteinzubinden, denn wenn sich der Spieler schon nicht dir als Trainer zu den Diskussionspunkten öffnet, dann - da bin ich mir absolut sicher - , wird er sich auch keinem Sportpsychologen öffnen oder ehrlich zu diesem sein!"


KEEPERsport: "Dein Heimatland Österreich ist bei der EURO letztendlich durch einen Ballack-Freistoß ausgeschieden. Während die Nicht-Spezialisten von einem unhaltbaren "Kracher" sprachen, sahen die Insider - ich auch - einen nicht unerheblichen Stellungsfehler von Jürgen Macho... Wie hast du das ganze gesehen?"

Hans Leitert: "Ich habe die Szene leider nicht im Fernsehen gesehen, sondern live im Stadion, saß aber auf der gegenüberliegenden Seite - somit hatte ich nicht die beste Sicht auf das Geschehen, weshalb es nicht fair und auch unprofessionell wäre, dazu meine Stellungnahme abzugeben."


KEEPERsport: "Unsere User sind hauptsächlich Amateurkeeper, die sehr an einer Verbesserung ihres eigenen Torwarttrainings interessiert sind. Welche Vorschläge bzw. Tipps kannst du ihnen geben?"

Hans Leitert: "Versucht von den Besten zu lernen!" Damit meine ich, dass wenn man die Möglichkeit hat, Top-Keeper zu beobachten, man immer sehen sollte, wie diese in den speziellen Situationen reagieren. Wie treten sie in schwierigen Situationen auf, sind sie aktiv oder passiv? Ich denke, dass Top-Torhüter generell sehr aktiv sind und man sollte selbst während des gesamten Spiels immer so aktiv wie möglich sein. Dein Blick sollte sich immer auf das Spielgeschehen richten, erwarte stets das Unerwartete! Zudem kann man bei den Top-Keepern sehen, dass sie auf einem sehr hohen Level der Konzentration arbeiten, die schließlich die Grundlage für alles andere darstellt!"


KEEPERsport: "Wie wichtig war für dich zu deiner aktiven Zeit eigentlich das Torwart-Equipment und welche Rolle misst du diesem heute als Torwartcoach bei?"

Hans Leitert: "Dafür gibt es eine sehr einfache Antwort: Man soll sich immer wohlfühlen! Es gibt so viele verschiedene Handschuhe und zusätzliches Equipment, welches man empfehlen könnte, dass aber manchem Torwart eben gefällt und manchem wiederum nicht. Als Trainer sage ich immer, wähle das Material, in dem du dich wohlfühlst! Es ist deine eigene Entscheidung!"


KEEPERsport: "Wie mir der Martin Krenn erzählt hat, kennst du unsere Firma schon recht lange? Wie ist dein Eindruck über unser Projekt und unsere Arbeit und wie ist dein Standpunkt zur Grundidee eines spezialisierten Torwartshops?"

Hans Leitert: "Das ganze ist eine tolle Idee, vor allem für den Amateur- und Jugendbereich, weil es dort sehr schwer ist, eine gute Ausrüstung zu bekommen. Wenn man die Möglichkeit bietet, gutes Equipment zu fairen Preisen zu bekommen, so wird die Nachfrage danach immer groß sein."



Hans, wir von KEEPERsport bedanken uns bei dir auf das herzlichste für das tolle und sehr mative Gespräch und wünschen dir privat wie sportlich alles erdenklich Gute und natürlich weiterhin viel Erfolg!!!

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