Ks-Interview: Raimund Hedl zu Karriereende und neuer Aufgabe
Raimund Hedl (Bilder Eins bis Vier) spielt derzeit beim österreichischen Rekordmeister SK Rapid Wien, wo er in den letzten Jahren vorwiegend als Ersatztormann hinter Helge Payer agierte und ab der Spielzeit 2010/11 vorläufig zur Nummer Eins im Tor der Wiener avancierte. Hedl war vorher unter anderem auch Ersatz von Ex-Nationalkeeper Michael Konsel bei den Grün-Weißen. Sein Debüt in der österreichischen Bundesliga gab Raimund Hedl in der Spielsaison 1996/97 für Rapid Wien. Nachdem er in den Jahren 2001 bis 2005 den Verein verlassen hatte und in der Zwischenzeit bei LASK Linz und dem SV Mattersburg spielte, kehrte er 2005 wieder zum österreichischen Rekordmeister zurück. Ende Februar 2006 zog er sich eine eine Verletzung an der Kniescheibe zu und fiel für die restliche Saison 2006/07 aus. Nach dem Ausfall krankheitsbedingten Ausfall Payers vor der Fußball-Europameisterschaft 2008 war er zu Beginn der Saison 2008/09 erneut Ersatztorhüter, dieses Mal hinter dem neu verpflichteten Deutschen Georg Koch. Dieser erkrankte aber nach einem Knallkörperwurf im Stadion und so spielte Hedl sieben Meisterschaftspartien, verlor jedoch später seinen Platz an den jüngeren Andreas Lukse. Zur Mitte der Spielzeit 2010/11 löste ihn sein langjähriger Konkurrent Helge Payer wieder als Rapid-Stammkeeper ab.
Zum Saisonende beendet Hedl entgegen seinen ursprünglichen Absichten - er hatte eigentlich noch einmal ein Jahr als Torhüter unterzeichnet - seine Karriere und wird im jungen Trainerteam des neuen Rapid-Verantwortlichen Peter Schöttel Torwartcoach; der 36-jährige Ersatztormann wechselt damit direkt vom Konkurrenten Helge Payers zum Trainer des Stammgoalies. Am vergangenen Donnerstag besprach Hedl, der über die nötige Trainerlizenz verfügt, mit Schöttel seine Zukunft, der sich für ihn entschied. Damit fiel die Wahl gegen "Ladi" Maier. "Ich wäre gern gekommen", sagte der tschechische Ex-Rapidler.
KEEPERsport sprach aktuell und exklusiv mit Raimund über die vermasselte Rapid-Saison, sein bevorstehendes Karriereende und seinen neuen Job beim österreichischen Rekordmeister:
KEEPERsport: "Raimund, Rapid wird 2011/12 nach fünf Jahren nicht international vertreten sein. Woran lag das deiner Meinung nach?"
Raimund Hedl: "Die ganze Spielzeit war irgendwie verkorkst, alles lief irgendwie schief. Möglicherweise hatten wir unser gesamtes Glück für diese Saison durch das Weiterkommen in der Europa League gegen Aston Villa aufgebraucht. Unser Präsident Rudolf Edlinger hat zurecht angemerkt, dass es zwar Gründe (Verletzungen, "Turbulenzen" in der Führungsebene, 20 Latten- und Pfostentreffer, ...) genug für unser schwaches Abschneiden gab, diese Leistungen aber natürlich dennoch unentschuldbar bleiben."
KEEPERsport: "Eigentlich wolltest du ja noch ein Jahr weiterspielen, jetzt hast du einen Vertrag bis 2013 als Torwartcoach von Rapid unterzeichnet, wie kam es plötzlich dazu? Ich darf dazu vielleicht vorab Peter Schöttel zitieren: "Ich brauche Leute, denen ich vertrauen kann, die über große Fachkenntnis verfügen und loyal sind. Der Trainerposten bei Rapid, das ist einer der reizvollsten, vielleicht sogar der reizvollste in Österreich.""
Raimund Hedl: "Ich denke, es war jetzt für mich einfach an der Zeit, meine Tormannkarriere zu beenden und diese Chance, weiterhin "nahtlos" bei Rapid im Profibereich tätig zu sein, zu nutzen. Es ist eine große und neue Herausforderung. Natürlich ist es zudem auch reizvoll, mit dem Trainerteam um Peter Schöttel einen Neuanfang bei einem so großen Klub wie Rapid zu starten!"
KEEPERsport: "Wehmut, dass es jetzt fast schon zuende ist, es sind ja nur noch zwei Matches?"
Raimund Hedl: "Bislang überhaupt nicht. Ich freue mich vielmehr auf die neue Aufgabe. Natürlich können diese Gefühle später vielleicht noch kommen, klar... "
KEEPERsport: "Am kommenden Sonntag steht das letzte Bundesligaderby der Saison gegen die Austria an, kommt es dort zu deinem "Abschiedsspiel" im Hanappi-Stadion?"
Raimund Hedl: "Nein, am Sonntag wird sicherlich Helge Payer spielen. Die bisherigen drei Saisonderbys endeten jeweils mit einem 1:0-Auswärtssieg, diese "Serie" wollen wir unbedingt durchbrechen. Die Rivalität zwischen unseren beiden Vereinen ist genauso riesig wie in Deutschland bei Dortmund und Schalke, weshalb es schon fatal wäre, wenn der FAK ausgerechnet in unserem Stadion den "Grundstein" für den Meistertitel legen würde... Am Mittwoch darauf spielen wir am letzten Spieltag beim LASK Linz, einem meiner früheren Vereine; mit einem Einsatz dort würde sich sicherlich der "Kreis" ein wenig schließen... Ein richtiges Abschiedsspiel plane ich nicht."
KEEPERsport: "Es ist ja gar nicht so selten, dass Torwartcoaches mit Profierfahrung in bestimmten "Notsituationen" nochmals ein Comeback feiern. Wie denkst du darüber und kommt das für dich in Frage?"
Raimund Hedl: "Normalerweise wird das kein Thema mehr werden, aber im Fußball ist bekannmtlich so vieles möglich, deshalb sollte man das nicht kategorisch ausschließen."
KEEPERsport: "Dein Ex-Mitspieler Stefan Maierhofer steht am kommenden Samstag mit dem Zweitligisten MSV Duisburg im deutschen Pokalfinale gegen den FC Schalke 04; es scheint so, dass er nach einem doppelten Fußbruch mit anschließender OP möglicherweise ein Blitz-Comeback als "Joker" feiern könnte... "
Raimund Hedl: "Stefan war sogar mein Zimmerkollege bei Rapid, er spielte nach seiner eher schwierigen Zeit in England beim MSV Duisburg eine richtig starke Saison! Warum sollte er den Außenseiter MSV nicht zum DFB-Pokalsieg schießen? Der Stefan war immer ein Mann für das Besondere... Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute für Berlin!"
KEEPERsport: "Raimund, KEEPERsport bedankt sich bei dir ganz herzlich für das angenehme Gespräch und wünscht dir für die Restsaison, deine neue sportliche Aufgabe sowie in privater Hinsicht nur das Beste!"











