Lutz Pfannenstiel: Projekt "Global Goal" und "Swoosh" auf dem Unterschenkel
Lutz Pfannenstiel (* 12. Mai 1973 in Zwiesel/Bayern) ist ein deutscher Fußballtorhüter. Er ist der weltweit erste Fußballspieler, der in jedem der sechs anerkannten Kontinentalverbände einem professionellen Fußballverein angehörte und hat eine geradezu sensationelle Karriere hinter sich.
Pfannenstiel war als Torwart in der deutschen U-17-Nationalmannschaft tätig und schlug mit 18 Jahren ein Angebot vom FC Bayern München aus, bei den Amateuren im Tor zu stehen, und ging stattdessen als Torwart nach Malaysia. In den Folgejahren spielte er bei jedem der sechs Kontinentalverbände, die von der FIFA anerkannt sind, bei mindestens einem Verein. Zuletzt schloss er sich im Januar 2009 dem norwegischen Drittligisten Manglerud Star an. Zuvor spielte er für Ligakonkurrent Flekkerøy IL und für CA Hermann Aichinger im Campeonato Catarinense (erste Liga der Regionalmeisterschaften) in Brasilien.
Im April 2008 kehrte er nach Deutschland zurück und trat ein Engagement als Torwarttrainer der vom Deutschen Reinhold Fanz betreuten Nationalmannschaft Kubas an, die sich in Süddeutschland und Österreich auf die Qualifikationsspiele zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 vorbereiten wird. Weiterhin ist er jedoch auch als Spieler aktiv.
In die Schlagzeilen geriet er, als er 1999 in Singapur wegen angeblichen Wettbetrugs bei Sportwetten verhaftet und später auch zu 3 1/2 Monaten Haft verurteilt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, mit einem Buchmacher, der gegen ihn ausgesagt hatte, verbotene Absprachen getroffen zu haben. In den drei Spielen, in denen er die Spiele manipuliert habe sollte, gewann seine Mannschaft zwei Mal und spielte einmal unentschieden. Zur Last gelegt wurde ihm der unsinnig erscheinende Vorwurf, er hätte „auffallend gut“ gehalten.
Während seiner Zeit bei Bradford Park Avenue wurde er bei einem Zusammenprall mit einem Gegenspieler so schwer verletzt, dass er auf dem Spielfeld drei Mal wiederbelebt werden musste.
Pfannenstiels neuestes ehrgeiziges Projekt heißt "Global Goal". Dabei will er mit spektakulären Fußballspielen an besonderen Orten auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Im Dezember 2009 ist ein Spiel in der Antarktis geplant, weitere Stationen sollen das Amazonas-Gebiet, Nepal und Tansania sein. Unterstützt wird das Projekt von namhaften Stars, wie Aldair, Brian Laudrup, Carlos Valderrama, Cafu, Bebeto, Ole Gunnar Solskjaer und Stig Töfting.
Hier natürlich auch der Link zu Lutz´ Homepage:
http://www.lutz-pfannenstiel.de/
Nun stand Lutz Ks-Redaktionsleiter Christoph Nowak für folgendes Exklusivinterview zur Verfügung und sprach u. a. seine Erlebnisse, seinen neuen Job in Norwegen und sein neues Projekt "Global Goal":
KEEPERsport: "Hallo Lutz, ich erreiche dich gerade in Norwegen, wo Du nun für Manglerud Star tätig bist, einem aufstrebenden Zweitdivisionär, der endlich das Image einer "Fahrstuhlmannschaft" ablegen möchte; du bist dort aber nicht nur Torhüter, sondern auch in anderen Funktionen tätig?"
Lutz Pfannenstiel: "Hallo. Ich bin dort nicht nur Keeper, sondern gleichzeitig auch Torwarttrainer, Assistenztrainer und sportlicher Leiter! Wir haben auch noch einen ehemaligen norwegenischen Ex-Nationalspieler, den Tommy Stenersen, der - bis auf Torwartcoach - die gleichen Funktionen hat wie ich; er ist aber mehr für unsere Nachwuchsakademie zuständig, während ich mich hauptsächlich z. B. um die Spielertransfers kümmere, zuletzt konnte ich den deutschstämmigen Spielführer der Nationalmannschaft von Namibia, Oliver Risser, verpflichten, der zuletzt bei Hannover 96 II tätig war."
KEEPERsport: "Du hast ja schon viel erlebt, ist Norwegen dann eher ein ruhigeres "Pflaster"? Wie gefällt es Dir dort?"
Lutz Pfannenstiel: "Norwegen ist mit Abstand die ruhigste Station; ich spiele ja schon zum vierten Mal in diesem Land, aber man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben ;-) ! Momentan habe ich zwar sehr viel Arbeit, nächste Woche beginnt hier nämlich die neue Saison, aber im Grunde genommen ist es hier sehr angenehm, vor allem was die Lebensqualität betrifft! Meiner Meinung nach ist diese hier sogar die beste der Welt, auch wenn das Leben sehr teuer ist"
KEEPERsport: "Hast du eigentlich eine Freundin, Frau und Familie oder funktioniert das Leben als "Fußball-Weltenbummler" nur als Single?"
Lutz Pfannenstiel: "Ich bin seit fünf Jahren verheiratet und meine Frau hat mich seitdem immer begleitet. Natürlich ist es nicht immer einfach, wenn man alle sechs Monate umzieht... "
KEEPERsport: "Wie kommt man eigentlich auf die Idee, seine Karriere so wie du zu gestalten? Befällt einen da nach der ersten Auslandsstation ein "Virus" oder wie kommt das?"
Lutz Pfannenstiel: "Ich hatte als 16-Jähriger schon einen Vertrag beim TSV 1860 München unterschrieben, aber da hat sich meine Mutter absolut quergestellt, weil sie darauf bestand, dass ich erstmal mein Abitur machen sollte; einige Monate später war ich dann mit dem FC Bayern einig, aber wieder ließ sich meine Mutter nicht erweichen... Dann spielte ich beim FC Vilshofen in der Bayernliga, die damals die dritte Liga war, und von dort bin nach Kötzting an die Grenze zur Tschechoslowakei, wo kurz nach der "Wende" sieben Tschechen vom Erstligisten Skoda Pilsen verpflichtet wurden, gewechselt - wir waren wirklich eine überragende Mannschaft, ich habe dort auch nicht schlecht verdient und wirklich gut gehalten. Dann kamen Angebote wiederum von Bayern, 1860 und dem 1. FC Nürnberg, aber überall nur als Vertragsamateur, was ich damals einfach nicht werden wollte;mein Ziel war es einfach, Profi zu werden! Bei einem Probetraining in Bochum habe ich dann einen Spielerberater kennengelernt, der mich dann nach Malaysia vermittelt hat; dort habe ich an die 5000.-- $ im Monat verdient, ein tolles Auto gefahren, in einem super Apartment in einem Beach Ressort gewohnt und selbst ein Jetski war im Service inbegriffen; Malaysia war ja früher eine englische Kolonie, daher hatten wir dort öfters `mal Freundschaftsspiele gegen englische Profiteams. Da bin ich dann wohl `mal positiv aufgefallen und plötzlich war ich in England beim FC Wimbeldon... An einer Rückkehr nach Deutschland hatte ich wenig Interesse, bis 1997 die Anfrage von Wacker Burghausen kam."
KEEPERsport: "Du hast sicherlich sehr viel Positives und Interessantes erlebt auf deinen Station, aber auch zwei absolute Negativdinge: Zum einen die ungerechtfertigte Inhaftierung in Singapur, zum einen dein Unfall in England, als man dich wiederbelebt hat. Welche Erinnerungen hast du daran und was hast du für dein Leben daraus für Schlüsse gezogen?"
Lutz Pfannenstiel: "Singapur war natürlich eine "Hammererfahrung", wir haben dort wirklich gelebt wie die Rockstars... Von einem Tag auf den anderen war alles weg, mein Geld war eingefroren und mir blieb mehr oder weniger nur noch ein Paar Badeschlappen und ein T-Shirt; das Gefängnis in Singapur gilt als einer der schlimmsten Kerker der Welt, man wurde behandelt wie ein Tier, ganz zu schweigen von den sanitären Einrichtungen, es gab kein sauberes Trinkwasser, kein Toilettenpapier... Aber ich sehe die Sache inzwischen positiv, ich habe gelernt, dass es wesentlich wichtigere Dinge gibt als Armani oder schnelle Autos; man ändert seine Gedanken dann sehr schnell. An den Zusammenprall in England habe ich wenig Erinnerung, ich wollte kurz danach noch abwerfen und verlor dann das Bewusstsein. Ich hatte auch eine richtige Nahtoderfahrung mit weißem Licht, Blitz und dem besagten Tunnel. Mein Gegenspieler hatte mich mit dem Knie voll am Solar Plexus getroffen, weshalb das Nervensystem meines Oberkörpers total zusammenbrach. Infolgedessen fielen meine Lungenflügel zusammen und mein Herz stand still, ich war also tatsächlich klinisch tot. Im Krankenhaus kam ich dann eineinhalb Stunden nach dem Spiel wieder zu mir und war zunächst einmal total sauer, dass sie mich ausgewechselt hatten, ich fand das ganze zunächst echt skandalös... Zwei Wochen später stand ich wieder im Tor. Doch dass die ganze Sache ziemlich ernst war, verdeutlich, dass das Spiel abgebrochen wurde, was in England ziemlich selten bis gar nicht passiert!"
KEEPERsport: "Wann ist eigentlich die große "Reise" des Weltenbummlers Lutz Pfannenstiel beendet und es geht heim in den Bayerischen Wald nach Zwiesel?"
Lutz Pfannenstiel: "In den bayerischen Wald zieht es mich nicht, außer einer sehr engen Beziehung zur Familie gibt es dort eigentlich nichts, was mich wieder dorthinbewegen könnte; ich möchte noch bis mindestens 40 im Tor spielen und danach als Trainer weiterfungieren, in diesem Bereich habe ich ja auch schon erste Erfahrungen gesammelt. Es deutet derzeit vieles daraufhin, dass ich nach Norwegen in Namibia weiterarbeiten werde."
KEEPERsport: "Außer einer Zwischenstation bei Wacker Burghausen warst du seit deinem Weggang nach Malysia nicht mehr in Deutschland tätig. Gab es nie mehr Anfragen aus dem Profibereich hierzulande?"
Lutz Pfannenstiel: "Es gab schon `mal Anfragen aus der Regionalliga oder dem unteren Bereich der zweiten Bundesliga, aber ich persönlich spiele lieber in der ersten Liga in Brasilien oder in den USA als bei einem unterdurchschnittlichen deutschen Zweitligisten, auch vom Finanziellen her... "
KEEPERsport: "Wo hat dir eigentlich das Torwarttraining am besten gefallen, und warum?"
Lutz Pfannenstiel: "Am komplettesten und intensivsten war wohl das Keepercoaching in Brasilien, man hat dort - nicht nur zu meiner Freude - sehr lange unter sich und kaum mit der Mannschaft gearbeitet."
KEEPERsport: "Nun zu "Global Goal", deinem neuen Projekt: Es geht darum, besondere Fußballmatches an eigentlich irren Orten durchzuführen, um auf die Gefahren des Klimawandels hinzuweisen, wie ist da der Stand der Dinge, was kannst du uns darüber berichten?"
Lutz Pfannenstiel: "Fußball ist doch einfach das globalste Spiel der Welt, und ich denke mir halt, dass dieser Sport das beste Instrument ist, auf den Klimawandel hinzuweisen; mein Team heißt ja "Global United FC" und es sind ja nicht nur Fußballer dabei, sondern ganz bewusst auch Stars aus anderen Bereichen wie Film oder Musik/Heavy Metal, um ALLE, auch die sich nicht für Fußball interessieren, auf die Problematik aufmerksam zu machen! Im Dezember diesen Jahres wird es am Rande der Klimakonferenz in Kopenhagen ein Fußballspiel geben. Diesbezüglich arbeiten wir auch an einem kurzen Treffen mit dem neuen US-Präsidenten Barack Obama dort; die diesbezüglichen Anzeichen dafür, dass es klappen könnte, sind gar nicht `mal so schlecht!"
KEEPERsport: "Wie bist du eigentlich auf diese Idee gekommen?"
Lutz Pfannenstiel: "Sicherlich war da die Zeit im "Knast" von Singapur ein Zeichen für mich, Gutes zu tun, aber ich bin auch von Haus aus sehr sozial eingestellt, gerade was Menschenrechte, Aufbauprojekte und dergleichen angeht: Ich bin ja zudem ein "Naturbursch´" aus dem bayerischen Wald, daher ist mir unser Planet und seine Natur immer schon sehr wichtig gewesen; aus diesen Gründen habe ich diesem Projekt auch meine Zukunft gewidmet!"
KEEPERsport: "Du arbeitest derzeit auch an einem Buch über deine Geschichte, das "Unhaltbar" heißen wird; auf was alles dürfen wir uns denn da freuen?"
Lutz Pfannenstiel: "Das Buch wird sicherlich nicht autobiographisch aufgebaut sein, so wie "normale" Memoiren; es ist eher ein Abenteurroman mit wahren Geschichten und eines der speziellsten Bücher, die von einem Fußballer jemals auf den Markt gekommen sind: Horror, Komödie, Tragödie - das ist von allem `was dabei!"
KEEPERsport: "Wie war es während deiner Auslandsaufenthalte eigentlich immer um deine Ausrüstung bestellt; hast du dich von Deutschland aus versorgen lassen und gab es z. B. `mal Schwierigkeiten, an gute Torwarthandschuhe zu kommen?"
Lutz Pfannenstiel: "Da gab es nie Probleme, ich wurde zu großen Teilen immer von "adidas" ausgerüstet, zurn Not dann halt eben über die jeweilige Landes- oder Kontinentalvertretung; ich hatte nach Herzogenaurach eigentlich immer eine super Beziehung, aber seit einem Jahr werde ich von dort leider nicht mehr ausgerüstet, weshalb ich auch auf der Suche nach einem diesbezüglichen Sponsor bin."
KEEPERsport: "Ich hab´ dir ja auch zwei Paar von unserem "KEEPERsport-Viper" in der Goldversion machen lassen, sie sind auf dem Postweg nach Norwegen; wie gefallen dir die Pics davon , die ich dir vorab zugemailt habe?"
Lutz Pfannenstiel: "Von der Optik her sehen sie total cool aus, ich freu´ mich wirklich d´rauf, sie in den kommenden Tagen zu testen; wenn sie mir taugen, dann zieh´ ich sie natürlich auch zu unserem ersten Pflichtspiel an."
KEEPERsport: "Wie gefällt dir eigentlich unsere Geschäftsidee, Ausrüstungsspezialist nur für Torhüter zu sein?"
Lutz Pfannenstiel: "Ich finde das ganze wirklich toll, das ist ja ein richtiger "Candy-Shop" für Keeper jeden Alters und jeder Spielklasse. Als Junge gab es für mich natürlich auch nie einen anderen Wunsch zu Weihnachten wie eine Menge Torwarthandschuhe... Meiner Meinung nach hätte Euer Konzept auch in Norwegen eine gute Zukunft, denn hier gibt es fast nur Handschuhe von "umbro", und sehr, sehr viele Torhüter bestellen via Internet im Ausland. So ein Laden wie in Unterhaching in der Gegend um Oslo, das wäre ein "Renner"!"
KEEPERsport: "Wer ist für dich eigentlich momentan der beste deutsche Torhüter und sollte als Deutschlands Nummer eins bei der WM 2010 in Südafrika im Tor stehen?"
Lutz Pfannenstiel: "Deutschland wird auf der Position absolut kein Problem bekommen, ich halte sowohl René Adler, Robert Enke, Manuel Neuer oder Tim Wiese für stark genug, eine tolle WM für Deutschland zu spielen; Tim Wiese hat derzeit vielleicht den Vorteil, dass er schon seit Jahren regelmäßig internationale Matches im Europacup bestreitet."
KEEPERsport: "Du giltst als der "alternative Welttorhüter" - hast du eigentlich `mal den richtigen, Oliver Kahn, persönlich kennengelernt?"
Lutz Pfannenstiel: "In jüngerer Vergangenheit habe ich ihn leider nicht mehr getroffen, aber wir haben beim FC Bayern einige Male zusammen trainiert, als er noch nicht so lange in München war. Ein netter Kerl, wirklich sympathisch!"
KEEPERsport: "Zum Abschluss: Kannst du uns vielleicht noch irgendein ganz besonderes "Schmankerl" aus deiner Karriere erzählen?"
Lutz Pfannenstiel: "Ich hatte ja vorher schon erwähnt, dass ich eigentlich immer "adidas"-Partner war. Allerdings gab es 1997 ein Problem in Singapur: "adidas" hatte irgendwelche Differenzen mit dem dortigen Fußballverband und hat sich komplett aus der Profiliga zurückgezogen, fortan war dort "NIKE" angesagt. Mit "NIKE" habe ich dort dann auch einen TV-Werbespot für eine Junioren-WM gedreht und sollte insgesamt 5 000.-- $ erhalten; ich habe dann einem der damaligen Chefs von "NIKE Asien" mehr im Spaß den Vorschlag unterbreitet, dass ich mir für 20 000.-- $ auch den "NIKE-Swoosh" auf den Unterschenkel tätowieren lasse. Du glaubst gar nicht, wie schnell der mich in das nächste Tattoo-Studio gezerrt hat! Tja, als ich dann wieder mit "adidas" arbeitete, musste ich natürlich immer peinlich genau darauf achten, das Ding irgendwie abzudecken ;-) !"
"Na dann ;-) - vielen herzlichen Dank für das coole Gespräch, Lutz; es ist für mich immer wieder ein Highlight, mit Dir zu telefonieren! Wir vom Ks-Team wünschen dir, deiner Familie und deinem Club alles Gute und last but not least natürlich viel Erfolg bei deinem Projekt "Global Goal", wir bleiben natürlich in Kontakt!










