Donnerstag 12. Feber 2009

Philipp Tschauner: Das Sportliche steht im Vordergrund

Philipp Tschauner (* 3. November 1985 in Schwabach) ist aktuell Torhüter beim Münchener Traditionsverein TSV 1860 München.

Nach einem Jahr in der F-Jugend des TSV Wendelstein begann Tschauner im Jahr 1995 seine Laufbahn beim 1. FC Nürnberg. Er durchlief hier sämtliche Jugendmannschaften und spielte in einigen DFB-Jugendauswahlen, für die er unter anderem an der U-19-Europameisterschaft 2004 und der U-20-Weltmeisterschaft 2005 teilnahm. Nachdem er bereits in der Saison 2003/04 teilweise im Tor der zweiten Mannschaft des FCN ausgeholfen hatte, wurde er 2004/05 zum dritten Torwart und Stammkeeper der Bayernliga-Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Am 22. Oktober 2005 konnte er gegen Arminia Bielefeld sein Bundesligadebüt feiern. Im Juni 2006 wechselte er zum TSV 1860 München, wo er einen Dreijahresvertrag unterschrieb und zu Anfang der Saison 2007/08 Stammtorwart wurde. Am vierten Spieltag erlitt Tschauner einen Kreuzbandanriss, der ihn zu einer längeren Verletzungspause zwang. Am 27. Februar 2008 feierte der Franke - ausgerechnet im Derby gegen den FC Bayern München im DFB-Pokal-Viertelfinale - sein Comeback, als er in der 35. Minute für seinen verletzten Kollegen Michael Hofmann eingewechselt wurde. Seitdem ist er wieder Stammtorwart.

 

Philipp ist des öfteren gern gesehener Gast im KEEPERsport-Shop Unterhaching und stand heute Christoph Nowak im Exklusivinterview Rede und Antwort:

 

KEEPERsport: "Hallo Philipp! Bei Deinem Verein TSV 1860 München sind `mal wieder "Chaos-Tage" angesagt, es geht mehr oder weniger d´runter und d´rüber: Neuer Sportdirektor, abgesprungener Investor, fragliche Zukunft - dies geht doch auch - bei aller Konzentration auf `s Sportliche - an euch Spielern kaum spurlos vorüber, oder?!?"

Philipp Tschauner: "Ganz spurlos geht das ganze natürlich nicht an uns vorbei, aber das Sportliche steht sicherlich im Vordergrund und wir als Mannschaft dürfen uns davon natürlich nicht beeinflußen lassen und stehen in der Pflicht, am kommenden Sonntag gegen Rot-Weiß Ahlen in der Allianz-Arena vor unseren Zuschauern eine gute Leistung abzuliefern und einen "Dreier" ein zufahren!"

 

KEEPERsport: "Wird in der Kabine vor und nach dem Training oder auch, wenn ihr privat etwas zusammen unternehmt, über die Situation und die Zukunft des TSV 1860 diskutiert?"

Philipp Tschauner: "Klar ist so etwas Thema, und man tauscht sicherlich untereinander die Meinungen aus, aber vorherrschend es ist nicht; schließlich kann man ja als Spieler sowieso kaum etwas daran ändern."

 

KEEPERsport: "Auch sportlich hättet ihr "Löwen" euch wohl einen positiveren Saisonverlauf vorgestellt - ihr steht mehr oder weniger im "Niemandsland" der Zweitliga-Tabelle. Was erwartest du dir persönlich noch vom Rest der Spielzeit?"

Philipp Tschauner: "Aus Sicht der Mannschaft, dass wir noch möglichst viele gute Spiele abliefern und in der Tabelle noch soweit es geht nach oben kommen; persönlich wünsche ich mir, meine bisherige gute Zweitliga-Saison zu Ende zu spielen und meinen guten "Gegentor-Schnitt" aus der Vorrunde zu bestätigen."

 

KEEPERsport: "Der TSV 1860 München gilt trotz allem als hervorragender Ausbildungsverein, der - auch aus finanziellen Zwängen - auf junge, hungrige Spieler setzt; doch sobald ein Talent sich in der 2. Liga beweist wie z. B. jüngst Timo Gebhart, ist es ratz-fatz bei einem größeren Verein; wie geht man damit um, ist das nicht manchmal frustrierend, wenn ständig wichtige Mitspieler das Team verlassen?"

Philipp Tschauner: "So sind nunmal die Mechanismen des Geschäfts, auch wenn sowas schon ein frustriert. "Sechzig" ist dafür bekannt, viele gute junge Spieler zu haben, die die Begehrlichkeiten von finaziell potenteren Klubs wecken. Aber als Mannschaft sind wir dann eben gefordert, diese "Verluste" so gut und so schnell wie möglich auszugleichen; gerade im Fall von Timo war es schon schmerzlich, da er einfach ein sehr guter Spieler war. Jedoch haben wir andererseits in der Winterpause mit Sascha Rösler, Stefan Aigner und Marvin Pourie auch an Pozenzial hinzubekommen, jetzt kamen noch Antonio Rukavina und Nikola Gulan dazu."

 

KEEPERsport: "Du wurdest vom Fachmagazin "kicker" in der abgelaufenen Vorrunde zum zweitbesten Keeper der 2. Bundesliga hinter deinem ehemaligen Kollegen Raphael Schäfer vom 1. FC Nürnberg erkoren und warst auch schon mit dem aktuellen Nationalkeeper René Adler vor nicht allzu langer Zeit in der deutschen U20-Nationalmannschaft. Du willst über kurz oder lang natürlich wieder in die Bundesliga, oder!?!"

Philipp Tschauner: "Natürlich ist mein absolutes Ziel die Bundesliga, und am schönsten wäre es natürlich, wenn wir dies innerhalb meines laufenden Vertrages mit 1860 schaffen würden. Es würde mich sehr freuen, dem René in der Bundesliga irgendwann einmal gegenüberzustehen, um dann unser Trikot zu tauschen."

 

KEEPERsport: "Dein Kontrakt bei den "Löwen" endet im Juni 2011, also in gut zwei Jahren. Macht man sich aufgrund der sicherlich nicht befriedigenden Gesamtsituation im Verein nicht Gedanken über einen vorzeitigen Abschied, falls ein entsprechendes Angebot kommt?"

Philipp Tschauner: "Ganz ehrlich: Überhaupt nicht! Für mich als junger Torwart ist die Spielpraxis enorm wichtig und die erhalte ich bei einem Traditionsverein wie 1860 München, was will man mehr. Ich will mit diesem Verein auch solange wie möglich so viel Erfolg, wie machbar ist, haben."

 

KEEPERsport: "Würde dich eine Rückkehr zum 1. FC Nürnberg grundsätzlich reizen bzw. wäre das überhaupt ein Thema?"

Philipp Tschauner: "Im Moment nicht; es ist noch zu frisch, dass ich aus Nürnberg weggegangen bin, zudem ist die Torwartfrage beim "Club" zunächst wohl langfristig geklärt."

 

KEEPERsport: "Wie gefällt es Dir eigentlich als gebürtiger Franke in Oberbayern bzw. München?"

Philipp Tschauner: "Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit von gut einem halben Jahr fühle ich mich hier richtig wohl und fahre deshalb auch nur ab und an in die alte Heimat zurück. Mit "Eingewöhnungszeit" meine ich die erstmalige längere Trennung vom gewohnten Umfeld, Elternhaus, Freunden... und bis man sich halt in einer Großstadt wie München zurechtfindet."

 

KEEPERsport: "Thema Ausrüstung: Du bist aufgrund eines Vereinsvertrags an den Torwarthandschuhausstatter "uhlsport" gebunden, wie klappt die Zusammenarbeit?" Der Kontrakt läuft noch bis zum Ende dieser Spielzeit, wie geht es dann in diesem Bereich weiter für Dich?"

Philipp Tschauner: "Offizieller Stand der Dinge ist, dass bei `60 ab der kommenden Saison wieder freie Handschuhwahl gilt, ich aber jetzt bis Saisonende noch an "uhlsport" gebunden bin. Bislang habe ich mich allerdings noch auf keine Marke festgelegt, aber ich bin momentan am Testen und ich denke, dass ich einen zuverlässigen Partner finden werde, wo das "Gesamtpaket" (Betreuung, Material und finanzieller Aspekt) einfach passt. Im großen und ganzen klappt die Zusammenarbeit mit "uhl" recht ordentlich."

 

KEEPERsport: "Ärgert es einen als Torhüter nicht furchtbar, wenn man bestimmtes Handschuhmaterial gewohnt war und dann muss man - aufgrund des Vereinswillens - seine gewohnte Marke wechseln?"

Philipp Tschauner: "Ja, auf jeden Fall; ich hatte zu meiner Zeit in Nürnberg elf Jahre lang nur "adidas"-Handschuhe und wollte diese auch bei den "Löwen" weiterverwenden, was aber dann aufgrund dieses Vereinskontraktes leider nicht mehr ging. Es ging einige Zeit ins Land, bis mir "uhlsport" ein Sondermodell präsentierte, dass mir in allen Belangen zusagte, aber mittlerweile bin ich mit meinen Handschuhen sehr zufrieden."

 

KEEPERsport: "Du bist ein Torhüter, der sich sehr für die Dinge, die ein Keeper bei seiner Arbeit benötigt oder ihm den Job einfacher macht, interessiert und besuchst uns daher auch sehr oft im Shop. Was ist für Dich an einem guten Torwarthandschuh wichtig und welches Sondermodell Eures derzeitigen Vereinsausrüsters verwendest Du?"

Philipp Tschauner: "Vom Design her ist es das Modell "uhlsport Cerberus AbsolutGrip Rollfinger"; vom Schnitt her verwende ich Innennaht mit Haftschaumschichteln, der Daumen ist - wie bei "adidas" üblich - "übergeklappt" und besteht, wie der "Körper" des Handschuhs - aus Meshmaterial. Der Belag ist vier Millimeter dicker "AbsolutGrip". Belag, Bandage und Verschluss sind für mich sehr wichtig - je breiter, desto besser - und der Hauptpunkt ist für mich ein bequemer Daumen!"

 

KEEPERsport: "Du giltst als eher unspektakulärer, nüchterner Torhüter, der viel Ruhe ausstrahlt; welcher Torwartcoach hat dich im bisherigen Verlauf deiner Karriere am meisten geprägt, und warum?"

Philipp Tschauner: "Meine Grundausbildung zum Torwart habe ich in Nürnberg bei Michael Fuchs, dem heutigen Torwarttrainer der Frauenfußball-Nationalmannschaft, erhalten; er hat mich sicherlich zu dem Typ Torwart geformt, der ich heute bin. Bei meinem jetzigen Verein ist der Rat meines Spezialcoaches Jürgen Wittmann im psychischen wie physischen sehr wichtig für mich, da er mir viel von seinen Erfahrungen als Bundesliga-Keeper mit auf den Weg gibt."

 

KEEPERsport: "Wie ist eigentlich das Verhältnis zu deinem Konkurrenten im Verein, Michael Hofmann - kollegial und kameradschaftlich oder aufgrund der Konkurrenzsituation eher unterkühlt? Er ist ja auch schon erfahrener, holt man sich da ab und an vielleicht `mal Tipps?"

Philipp Tschauner: "In den jeweiligen Vorbereitungen hat man schon ein klares Konkurrenzdenken und das Ziel, vor seinem direkten Konkurrenten ins "Ziel" zu gehen; während des Saisonverlaufs ist es aber so, dass wir ein sehr, sehr gutes Verhältnis miteinander haben, einzelne Spiele sogar zusammen analysieren und ich mir gegebenenfalls auch Tipps von ihm hole."

 

KEEPERsport: "In welchem Bereich siehst du deine größten sportlichen Defizite und wie gezielt arbeitest du an einer etwaigen Verbesserung dieser Schwächen?"

Philipp Tschauner: "Langfristig möchte ich an einer genaueren und schnelleren Spieleröffnung mit Hand und Fuß sowie an einem offensiveren Eingreifen ins Spiel arbeiten; dazu möchte ich einfach irgendwann noch mehr Flanken abfangen wie bisher. Bestimmte Situation, die in den Matches relativ selten vorkommen, versuchen dann in den Trainingseinheiten zu simulieren, um global in allen Bereichen immer fit zu sein."

 

KEEPERsport: "Hattest du eigentlich als Kind bzw. Jugendlicher ein großes Vorbild als Torhüter?"

Philipp Tschauner: "Als Kind natürlich "Club"-Ikone Andreas Köpke, später im jugendlichen Alter wurde es relativ schnell Petr Cech, weil mir seine Interpretation des Torwartspiels einfach sehr, sehr gut gefällt; ihm möchte ich mit meinem eigenen Spiel eigentlich am nächsten kommen."

 

KEEPERsport: "Wie gefällt dir unsere Geschäftsidee, unser Konzept und unser Shop in Unterhaching?"

Philipp Tschauner: "Also, ich finde die Geschäftsidee echt super, gerade für Torhüter aus dem Juniorenbereich, weil man bei euch wirklich sehr günstig Top-Handschuhe bekommen kann; beim 1. FC Nürnberg in der Jugend haben wir pro Saison zwei Paar vom Verein bekommen, die haben natürlich niemals ausgereicht. So musste mir mein Vater halt sehr oft für teures Geld weitere Handschuhe besorgen, und er hätte sich wahrscheinlich viel gespart, wenn es damals schon so etwas gegeben hätte."

 

"Philipp, VIELEN HERZLICHEN DANK für das gute Gespräch - das Team von KEEPERsport Deutschland wünscht Dir privat wie sportlich alles Gute und du bist selbstverständlich immer wieder ein gern gesehener Gast bei uns!"

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