Stefan Wessels: Wie ich einmalige Handschuhe designte...
Torhüter Stefan Wessels (* 28. Februar 1979 in Rahden) steht derzeit beim englischen Premier-League-Club FC Everton unter Vertrag und ist damit neben Nationalkeeper Jens Lehmann (FC Arsenal) der zweite deutsche Torhüter in der englischen ersten Liga.
Im August 2005 wurde Stefan Wessels für das Perspektivteam des DFB, "Team 2006", nominiert und konnte dort sein erstes Spiel für das Team 2006 gegen die Türkei bestreiten. Auch beim letzten Spiel des Teams im November 2005 in Österreich stand Stefan Wessels eine Halbzeit im Tor des von Erich Rutemöller betreuten Teams. Damit hat Stefan Wessels mit Ausnahme der A-Nationalelf in allen DFB-Auswahlen gespielt.
Nach seiner Jugendzeit bei Eintracht Schepsdorf und später TuS Lingen wechselte der Torwart im Alter von 19 Jahren in der Saison 1998/99 zu Bayern München. Nachdem er in seiner ersten Saison ausschließlich bei den Amateuren eingesetzt wurde, spielte sich Wessels in der Folgezeit immer mehr in den Vordergrund. Aufgrund zahlreicher Ausfälle bei Bayern München bot sich ihm am 21. September 1999 plötzlich eine Chance in der Champions-League-Partie bei den Glasgow Rangers, die er durch eine gute Leistung nutzte. Mit 20 Jahren und 205 Tagen ist er damit der jüngste deutsche Torhüter, der in der Champions League gespielt hat. Begünstigt durch weitere Verletzungsprobleme des etatmäßigen Ersatztorhüters Bernd Dreher sowie vereinsinterne Probleme mit Sven Scheuer setzte sich Wessels kontinuierlich als zweiter Bayern-Torhüter durch und kam in der Folgezeit auch zu weiteren Einsätzen in Bundesliga und Champions League. Da sein Hauptkonkurrent Oliver Kahn ankündigte, mindestens bis zum Abschluss der Saison 2005/06 bei Bayern München die Torhüterposition besetzen zu wollen und Stefan Wessels sich mit der Rolle als „Nummer Zwei“ nicht zufrieden geben wollte, entschloss er sich, den Verein zu wechseln.
Zur Saison 2003/04 unterschrieb Wessels beim Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln. Dort wurde er auf Anhieb Stammtorhüter, konnte aber den Abstieg des 1. FC Köln in die 2. Bundesliga nicht verhindern. Wessels erlitt zum Abschluss der Saison eine Handverletzung, die ihn zurückwarf. Nach den ersten vier Spielen der Saison 2004/05 verletzte er sich erneut im Training und fiel bis zum Ende des Jahres aus. Alexander Bade nutzte die sich ihm bietende Chance und spielte nahezu die komplette Saison.
Unter dem neuen Trainer Uwe Rapolder setzte sich Stefan Wessels dann jedoch wieder zur Saison 2005/06 durch, verletzte sich aber in der Rückrunde und wurde seitdem wieder von Alexander Bade vertreten. Sowohl unter Trainer Hanspeter Latour als auch zunächst unter Christoph Daum setzte Stefan Wessels sich als "Nummer Eins" durch und absolvierte bis zu seiner Verletzung Anfang Mai 2007 in der Saison 2006/2007 alle Pflichspiele des 1. FC Köln. Infolge eines Zusammenpralls mit Markus Kurth erlitt Wessels im Meisterschaftsspiel gegen den MSV Duisburg am 7. Mai 2007 einen Rippenbruch und fiel bis zum Saisonende aus. In den verbleibenden Pflichtspielen wurde er durch den bisherigen Reservetorhüter Thomas Kessler ersetzt. Im Juli 2007 verpflichtete der 1. FC Köln mit Faryd Mondragón einen weiteren Torwart, so dass Wessels nicht mehr als "Nummer Eins" gesetzt war.
Im August 2007 löste Wessels seinen Vertrag in Köln auf und wechselte ablösefrei zunächst für eine Spielzeit zum FC Everton in die britische Premier League. Dort ist er hinter Stammtorhüter Howard die Nummer 2, will aber den Kampf um die "Nummer Eins" führen. Wie bei seinen anderen Stationen als Profi-Fußballer, trägt er die Trikot-Nummer "33". Durch eine Verletzung am Finger seines Konkurrenten im Tor, Tim Howard, US-Nationaltorwart, absolvierte Wessels am 15. September 2007 sein erstes Spiel in der Premier League gegen den Spitzenklub Manchester United (0:1). Dem folgte ein UEFA-Cup Spiel gegen die ukrainische Mannschaft Metalist Kharkiv (1:1), ein weiterer Liga-Einsatz bei Aston Villa (2:0) und ein Spiel im Liga-Pokal ("Carling Cup") bei Sheffield Wednesday. In diesem Spiel, welches 0:3 gewonnen wurde, verletzte sich Stefan Wessels bereits in der dritten Spielminute am Kopf, konnte aber mit einer Bandage weiterspielen. In seinen Einsätzen beim FC Everton überzeugte Stefan Wessels mit durchweg guten Leistungen.
Nun stand Stefan Wessels KEEPERsport-Mitarbeiter Christoph Nowak zu einem telefonischen Exclusivinterview zur Verfügung:
KEEPERsport: "Ein herzliches "Hallo!" nach England, Stefan! Wie gefällt es dir auf der Insel und wie geht es dir, deiner Frau Ivka und deinem kleinen Sohn Felix?"
Stefan Wessels: "Uns geht es allen Gott sei Dank sehr gut, danke! Auch haben wir uns problemlos eingelebt; zum alltäglichen Leben in Deutschland besteht ja nicht unbedingt ein großer Unterschied. Für mich war das Ausland ja schon immer sehr reizvoll, aber dass es gerade mit England geklappt hat, ist natürlich ein Traum, keine Frage. Unsere Familien und Freunde fehlen uns natürlich schon ein bisschen, aber das ist halt als Fußballprofi zumeist so... ."
KEEPERsport: "Wohnst du eigentlich direkt in der Industriemetropole Liverpool oder etwas außerhalb und wie kommst du mit dem typisch britischen Wetter, das wir ja derzeit leider auch hier in Deutschland "genießen" ;-) dürfen, zurecht?"
Stefan Wessels: "Wir wohnen direkt in Liverpool, ungefähr zehn Minuten vom Zentrum entfernt. Liverpool ist eine recht weitläufige Stadt, geprägt durch diese typisch englischen Reihenhäuser. Es ist aber eine sehr ruhige Wohngegend. Das Wetter ist eigentlich auch ziemlich ähnlich wie in Deutschland: Am Anfang, als wir hierher kamen, war es doch recht gut, aber zuletzt ziemlich kalt und nicht so toll... Liverpool liegt ja an der See, und entsprechend rauh ist auch manchmal das Klima!"
KEEPERsport: "Gab es für Dich eigentlich irgendwelche sprachlichen oder sonstigen Probleme bei der Eingewöhnung, sowohl im privaten Bereich als auch auf dem Spielfeld?"
Stefan Wessels: "Englisch spreche ich ja recht gut, aber der "Liverpooler Slang", in etwa vergleichbar mit dem bayerischen Dialekt, ist schon sehr schwer verständlich. Einige Fachbegriffe auf dem Platz haben mir natürlich am Anfang auch gefehlt, klar! Ich denke aber, dass dieses Problem in Südeuropa wie Italien oder Spanien wahrscheinlich doch gravierender als hier in England gewesen wäre!"
KEEPERsport: "Wie siehst du deine aktuelle sportliche Situation? Dein Vertrag in Everton läuft ja zum Saisonende aus. Gab es seitens des Vereins schon Anzeichen, dass man mit dir verlängern möchte bzw. hast du bereits andere Anfragen, z. B. auch wieder aus Deutschland?"
Stefan Wessels: "Der FC Everton ist zufrieden mit mir, aber konkrete Gespräche über eine Vertragsverlängerung gab es bislang noch nicht. In England ist es aber scheinbar grundsätzlich so, dass die Vereine zu allererst einmal versuchen, die jungen Spieler möglichst langfristig zu binden, deswegen mache ich mir da keine allzugroßen Gedanken. Ich würde auf jeden Fall gerne in Everton bleiben. Natürlich haben mein Berater und ich auch immer Deutschland "im Auge", was dort so auf dem Torhütermarkt so passiert; Deutschland wäre im Fall eines Weggangs von der Insel sicherlich die erste Option."
KEEPERsport: "Wie beurteilst du die Unterschiede vom englischen zum deutschen Fußball, ich denke gerade für einen Torhüter ist England eine "andere Welt"? Gibt es auch gravierende Abweichungen im Bereich des Torwartrainings?"
Stefan Wessels: "Das Tempo ist wesentlich höher, gerade bei Rückpässen auf die Keeper wird vielmehr "gepresst" wie auch allgemein im Spiel; auch im "Fünf-Meter-Raum" wird man vielmehr angegangen und es wird auch weniger abgepfiffen wie in Deutschland. Die Teams hier stellen beim Eckball zum Beispiel auch von Haus aus immer einen Spieler ab, der beim eigenen Eckstoß den gegnerischen Keeper "blocken" soll!
Beim Torwarttraining ist es schwerer zu sagen, das ist ja sowieso von Trainer zu Trainer immer recht verschieden: Bei uns legt man im Torwarttraining viel wert auf viele Ballkontakte und zwei oder drei schnelle Aktionen nacheinander. Superklasse finde ich hier die "Box", das ist eine Art "Fünf gegen Zwei" für Torhüter, d. h. man darf den Ball auch mit der Band berühren; man kann es "Drei gegen Eins" spielen, aber viel besser noch finde ich die Variation "Vier gegen eins"!"
KEEPERsport: "Eine für unsere User immer ganz interessante Frage ist natürlich die nach deinem Ausrüstungsmaterial, du bist ja seit einiger Zeit bei "uhlsport" unter Vertrag: Welches Torwarthandschuhmodell spielst du gerade, welche Größe hast du, welchen Schnitt und Belag bevorzugst du im Moment?"
Stefan Wessels: "Ich habe die Größe 10.5, spiele den "Rolled-Fingers-Schnitt" und verwende den "Aquasoft-Belag" von meinem Ausrüster "uhlsport"; anfangs hatte ich noch das rote "Chimera-Design", aber das geht hier aufgrund der Vereinsfarben und der lokalen Konkurrenz zum FC Liverpool natürlich gar nicht, weshalb ich mittlerweile mit der blauen Version spiele. Zu meinem ersten Einsatz gegen "ManU" hatte ich diese aber noch nicht, sodass ich "künstlerisch" tätig geworden bin und ich somit ein wohl einmaliges schwarzes "Chimera-Modell" kreiert habe ;-) !"
KEEPERsport: "Du bist persönlich auch sehr im karitativen Bereich engagiert! Welche Projekte liegen dir denn da besonders am Herzen?"
Stefan Wessels: "Da ist zum einen natürlich die von mir schon seit langem unterstützte Organisation "Herzenswünsche e. V.", die schwerkranken Kindern ihre Träume erfüllt (www.herzenswuensche.de). Auch gefällt mir die Arbeit vom "Kinderprojekt Arche" (www.kinderprojekt-arche.de) sehr gut, das verarmten Kindern ein Unterkunft, ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und vieles mehr bietet. Und auf meiner Internetpage (www.stefanwessels.com) veranstalte ich zudem immer `mal wieder Auktionen von Souvenirs von mir selbst für wohltätige Zwecke!"
KEEPERsport: "KEEPERsport hat kürzlich in Deutschland (Unterhaching), nur einen "Katzensprung" von deinen früheren Wohnungen entfernt, eine Zentrale mit einem Shop fast ausschließlich für Torhüter eröffnet. Wie beurteilst du unser Angebot und Konzept?"
Stefan Wessels: "Ich kenne mittlerweile die Homepage und finde, dass das ganze sehr gut klingt; zu meiner Zeit als Jugendkeeper, als ich noch nicht ausgerüstet wurde, hätte ich wahrscheinlich unbedingt zu Eurem Shop geMUSST ;-) .Du warst ja schon immer ein absoluter Experte im Bereich der Torwartausrüstung und ich denke, dass du zusammen mit Ex-Profi Christian Krieglmeier, den ich auch noch von einem gemeinsamen Lehrgang bei der Junioren-Nationalmannschaft her kenne, bestimmt ein gutes und kompetentes Team bildest sowie dass ihr eine wesentlich bessere Beratung bieten könnt als der sonstige Sportfachhandel! Zudem glaube ich, dass dies schon noch eine Marktlücke ist und euer Konzept durchaus Sinn macht!"
Stefan, VIELEN HERZLICHEN DANK dafür, dass du uns für dieses interessante und nette Interview zur Verfügung gestanden hast! KEEPERsport wünscht dir von Herzen weiterhin alles erdenklich Gute privat wie sportlich!









