Ex-Bundesligakeeper Markus Pröll steht vor dem Karriereende
muss seinen vielen Jahren im Profifußball Tribut zollen. Dem Sport will Pröll aber dennoch verbunden bleiben - als Spielervermittler.
Der deutsche Ex-Bundesligakeeper bezeichnet sich selbst als Perfektionisten. "Ich bin ein Typ, der eine Sache immer zu 100 Prozent macht − oder gar nicht." Dies sagt der 32-Jährige aus gutem Grund, denn wenn nicht noch eine faustdicke Überraschung passiert, wird er die Torwarthandschuhe endgültig in die Ecke legen. Während seines letzten Engagements in Griechenland, bei Panionios Athen, habe er gemerkt, dass er nicht mehr seine Höchstleistung abrufen kann. "Ich bin nicht mehr an 100 Prozent gekommen", sagt der Rheinländer. Und ein gibt sich mit 90 Prozent nicht zufrieden. Ein Schlussmann mit 32 ist eigentlich im besten Torwartalter, doch der Modellathlet muss den vielen Jahren Profifußball Tribut zollen. Der Fuß macht nicht mehr so mit wie gewünscht, aber vor allen Dingen bereitet die Hüfte große Probleme. "Der Knorpel ist schon sehr dünn", erzählt Pröll. "Das ist genetisch bedingt, ich habe keine "Bombenhüfte"."Eigentlich sei ihm früh klar gewesen, dass er nicht bis ins hohe Sportleralter im Tor wird stehen können. Zumal er einer ist, der sich nie geschont hat. "Ich habe meinem Körper viel zugemutet". Er habe oftmals die Signale ignoriert, "man schleppt immer irgendwelche Beschwerden mit sich herum", sagt er. "Ich habe immer weitergemacht." Man muss wissen: Verletzungen, schwere Verletzungen, "pflastern" seinen Weg. "Wenn du seit dem 13. Lebensjahr täglich 200-mal auf die Seite fällst, geht das nicht spurlos an einem vorbei." Und doch verwundert es irgendwie, dass einer wie Pröll, ein Ehrgeizling par excellence, sich heimlich, still und leise aus dem Profisport verabschiedet. Ein Hintertürchen lässt sich der Torsteher, der sich körperlich fithält, aber kein torwartspezifisches Training absolviert, noch offen. "Wenn alles stimmt und noch ein Verein kommen sollte, der mich etwa als zweiten Torwart will, um die Nummer eins zu pushen, dann würde ich mir das überlegen." Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings nicht sehr hoch, Pröll selbst beziffert sie mit fünf Prozent. Die Gesundheit gehe vor. "Ich will mich nicht mit 35 direkt auf den OP-Tisch legen", sagt er. "Es gibt auch ein Leben nach dem Fußball. Ich will nicht mehr um alles Geld der Welt im Tor stehen, wenn ich meine Top-Leistung nicht mehr bringen kann und die Gesundheit am Ende noch darunter leidet."
Sein neues Leben gestaltet der intelligente Mann aus Köln schon sehr aktiv. Im Januar hat er sein Sportmanagement-Studium abgeschlossen, zurzeit büffelt er für seine Lizenzspielervermittler-Prüfung der FIFA, die er Ende September in Frankfurt ablegen wird. Das wird nicht einfach. "80 Prozent fallen durch", so Pröll. Und doch ist Pröll fest entschlossen. "Ich möchte junge Spieler auf ihrem Weg durch die Karriere begleiten", sagt er. "Ich möchte es ganzheitlich machen." Anders, als viele andere. "Mir geht es um mehr, als ums Kassieren von Provisionen." Pröll weiß, dass die Profis von heute eine gute Chance haben, binnen zehn, 15 Jahren ausgesorgt zu haben: "Wenn du nicht "die Kuh fliegen" lässt, nicht jeden Monat ein neues Auto brauchst und keine falsche Immobilien kaufst, sollte es finanziell reichen." So wie bei ihm, dem es auch finanziell eigentlich doch gut geht. Bälle fangen jetzt andere.
Markus Pröll denkt gerne an seine Eintracht-Frankfurt-Zeit zurück, insbesondere an die Aufstiegssaison 2004/05. "Ein perfektes Jahr ohne Fehler", sagt er. Später wurde er zum besten Hinrunden-Keeper in Liga Eins gewählt. "Unvergessen, meine schönste Zeit."






